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Aufbau von Diplomarbeiten




Hinweise anderer:


Aufbau von Diplomarbeiten

Es hat sich bewährt, bei der Anfertigung eines großen Belegs oder einer Diplomarbeit einer generischen Struktur/Vorgehensweise zu folgen. Einer der wesentlichsten Vorteile ist dabei, daß man mit dieser Struktur als Gliederung schon vor der Endphase der Arbeit Stichworte sammeln kann, was das Zusammenschreiben erheblich vereinfacht.

Kapitel 1: Einleitung

Die Einleitung schreibt man zuletzt, wenn die Arbeit im Großen und Ganzen schon fertig ist. (Wenn man mit der Einleitung beginnt - ein häufiger Fehler - braucht man viel länger und wirft sie später doch wieder weg). Sie hat als wesentliche Aufgabe, den Kontext für die unterschiedlichen Klassen von Lesern herzustellen. Man muß hier die Leser für sich gewinnen. Das Problem, mit dem sich die Arbeit befaßt, sollte am Ende wenigsten in Grundzügen klar sein und dem Leser interessant erscheinen. Das Kapitel schließt mit einer Übersicht über den Rest der Arbeit. Meist braucht man mindestens 4 Seiten dafür, mehr als 10 Seiten liest keiner.

Kapitel 2: Grundlagen und Stand der Technik

Hier werden zwei wesentliche Aufgaben erledigt:

  1. Der Leser muß alles beigebracht bekommen, was er zum Verständnis der späteren Kapitel braucht. Insbesondere sind in unserem Fach die Systemvoraussetzungen zu klären, die man später benutzt. Zulässig ist auch, daß man hier auf Tutorials oder Ähnliches verweist, die hier auf dem Netz zugänglich sind.
  2. Es muß klar werden, was anderswo zu diesem Problem gearbeitet wird. Insbesondere sollen natürlich die Lücken der anderen klar werden. Warum ist die eigene Arbeit, der eigene Ansatz wichtig, um hier den Stand der Technik weiterzubringen? Dieses Kapitel wird von vielen Lesern übergangen (nicht aber vom Gutachter ;-), auch später bei Veröffentlichungen ist "Related Work" eine wichtige Sache.

Viele Leser stellen dann später fest, daß sie einige der Grundlagen doch brauchen und blättern zurück. Deshalb ist es gut, Rückwärtsverweise in späteren Kapiteln zu haben, und zwar so, daß man die Abschnitte, auf die verwiesen wird, auch für sich lesen kann. Diese Kapitel kann relativ lang werden, je größer der Kontext der Arbeit, desto länger. Es lohnt sich auch! Den Text kann man unter Umständen wiederverwenden, indem man ihn als "Tutorial" zu einem Gebiet auch dem Netz zugänglich macht.

Dadurch gewinnt man manchmal wertvolle Hinweise von Kollegen. Dieses Kapitel wird in der Regel zuerst geschrieben und ist das Einfachste (oder das Schwerste weil erste).

Kapitel 3: Entwurf

Ist das zentrale Kapitel der Arbeit. Hier werden das Ziel sowie die eigenen Ideen, Wertungen, Entwurfsentscheidungen vorgebracht. Es kann sich lohnen, verschiedene Möglichkeiten durchzuspielen und dann explizit zu begründen, warum man sich für eine bestimmte entschieden hat. Dieses Kapitel sollte - zumindest in Stichworten - schon bei den ersten Festlegungen eines Entwurfs skizziert und in Stichworten geschrieben werden. Es wird sich aber in einer normal verlaufenden Arbeit dauernd etwas daran ändern. Das Kapitel darf nicht zu detailliert werden, sonst langweilt sich der Leser. Es ist sehr wichtig, das richtige Abstraktionsniveau zu finden. Bei der Verfassung sollte man auf die Wiederverwendbarkeit des Textes achten.

Plant man eine Veröffentlichung aus der Arbeit zu machen, können von diesem Kapitel Teile genommen werden. Das Kapitel wird in der Regel wohl mindestens 8 Seiten haben, mehr als 20 können ein Hinweis darauf sein, daß das Abstraktionsniveau verfehlt wurde.

Kapitel 4: Implementierung

Hier greift man einige wenige, interessante Gesichtspunkte der Implementierung heraus. Das Kapitel darf nicht mit Dokumentation oder gar Programmkommentaren verwechselt werden. Es kann vorkommen, daß sehr viele Gesichtspunkte aufgegriffen werden müssen, ist aber nicht sehr häufig. Zweck dieses Kapitels ist einerseits, glaubhaft zu machen, daß man es bei der Arbeit nicht mit einem "Papiertiger" sondern einem real existierenden System zu tun hat. Es ist sicherlich auch ein sehr wichtiger Text für jemanden, der die Arbeit später fortsetzt. Der dritte Gesichtspunkt dabei ist, einem Leser einen etwas tieferen Eindruck in die Technik zu geben, mit der man sich hier beschäftigt. Schöne Bespiele sind "War Stories", also Dinge mit denen man besonders zu kämpfen hatte, oder eine konkrete, beispielhafte Verfeinerung einer der in Kapitel 3 vorgestellten Ideen. Auch hier gilt, mehr als 20 Seiten liest keiner, aber das ist hierbei nicht so schlimm, weil man die Lektüre ja einfach abbrechen kann, ohne den Faden zu verlieren. Vollständige Quellprogramme haben in einer Arbeit nichts zu suchen, auch nicht im Anhang, sondern gehören auf Rechner, auf denen man sie sich ansehen kann.

Kapitel 5: Leistungsbewertung

Zu jeder Arbeit in unserem Bereich gehört eine Leistungsbewertung. Aus diesem Kapitel sollte hervorgehen, welche Methoden angewandt worden, die Leistungsfähigkeit zu bewerten und welche Ergabnisse dabei erzielt wurden. Wichtig ist es, dem Leser nicht nur ein paar Zahlen hinzustellen, sondern auch eine Diskussion der Ergebnisse vorzunehmen. Sehr gut ist, wenn man zunächst diskutiert und plausibel macht, welche Ergebnisse man erwartet, und dann eventuelle Abweichungen diskutiert.

Kapitel 6: Schlußfolgerungen, Fragen und Ausblicke

Dieses Kapitel ist sicherlich das am Schwierigsten zu schreibende. Es dient einer gerafften Zusammenfassung dessen, was man gelernt hat.Es ist möglicherweise gespickt von Rückwärtsverweisen in den Text, um dem faulen aber interessierten Leser (der Regelfall) doch noch einmal die Chance zu geben, sich etwas fundierter weiterzubilden. Manche guten Arbeiten werfen mehr Probleme auf als sie lösen. Dies darf man ruhig zugeben und diskutieren. Man kann gegebenenfalls auch schreiben, was man in dieser Sache noch zu tun gedenkt oder den Nachfolgern ein paar Tips geben. Aber man sollte nicht um jeden Preis Fragen, die gar nicht da sind, mit Gewalt aufbringen und dem Leser suggerieren, wie weitsichtig man doch ist. Dieses Kapitel muß kurz sein, damit es gelesen wird.

Kapitel 7: Zusammenfassung

Zu einer runden Arbeit gehört auch eine Zusammenfassung, die eigenständig einen kurzen Abriß der Arbeit gibt. Eine halbe bis ganze DINA4 Seite ist angemessen. Dafür läßt sich keine Gebrauchsanweisung geben (für irgendetwas müssen die Betreuer ja auch noch da sein). Jetzt sollen noch einige, eher generelle Hinweise gegeben werden:

Anglizismen

Ob eine Arbeit in deutscher oder englischer Sprache geschrieben wird, hängt sicherlich von vielen Dingen ab, u.a. von solchen Nebensächlichleiten wie der Prüfungsordnung. Aber eine in deutscher Sprache geschriebene Arbeit erhält nicht dadurch eine höhrere Qualität, daß man mit Anglizismen um sich wirft. Es gibt leicht einen ekelhaften Kauderwelsch, der das gesamte Niveau der Arbeit ablevelt. Aber im Ernst: angesichts der Dominanz der englischen Sprache in unserem Gebiet ist es manchmal nicht einfach, zwischen deutschen und englischen Begriffen abzuwägen. Meine Grundregel dabei ist, man nehme immer das deutsche Wort, wenn es denn ein unmißverständliches und eingeführtes gibt. Aber ein Eindeutschen um jeden Preis führt auch zu Chaos im Text. Eine Unterbrechung ist sicherlich angebrachter als ein Interrupt, aber ein Cache wohl besser als ein Nah-Schnell-Speicher. Ein Glossar kann über manche Klippe hinweghelfen. Manchmal können Angilizismen auch als Stilmittel genutzt werden, etwa wenn man von einer Quick and Dirty Implementierung spricht.

Schleifen von wenigen Teilen

Wie beim Programmieren ist es auch beim Erstellen eines wissenschaftlichen Textes ein beliebter Fehler, an 5% des Gesamttextes herumzuschleifen und dabei die Pflege oder gar Erstellung des Restes zu vernachlässigen. Am besten ist wirklich, den in der jeweiligen Phase des Textes erst einmal ohne Rücksicht auf Verluste herunterzuschreiben und dann erst ins Reine zu überführen.

Länge

Viele Arbeiten, die ich gesehen habe, sind zu lang! Viele Studenten haben zu Beginn ihrer Arbeit die irrationale Furcht, ihre Ausarbeitung könne zu kurz geraten, so daß sie zuerst aufblähen und dann - die gerunzelte Stirn ihres Betreuers wahrnehmend - wieder kürzen müssen. Eine Richtgröße von ca. 50 Seiten für Diplomarbeiten hat sich bewährt.

Der Konjunktiv

Im Prinzip könnte man die Sache jetzt eigentlich einmal machen, dieses oder jenes müßte dann (möglichst von jemandem, der dann die Schmutzarbeit macht) ... ich glaube, wir kennen diese Texte alle.

Ein paar allgemeine Hinweise zu Diplomarbeiten in der Dresdner Betriebssystemegruppe finden sich hier

Framework

Zum Erstellen der Diplomarbeit gibt es ein kleines TeX-Framework.

Abstract

Zu allen Diplomarbeiten ist ein Abstract anzufertigen. Es dient dazu, dass potentielle Leser der Arbeit sich schnell einen Überblick über den Inhalt der Arbeit verschaffen können.

Hermann Härtig, http://os.inf.tu-dresden.de/~haertig/
Jun 2011
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